| Die SAD unterstützte ein lokales Forschungsteam wissenschaftlich bei der Durchführung einer landesweiten Studie zu Rollen und Wirkungsfeldern iranischer Frauen im familiären und wirtschaftlichen Alltag. Untersucht wurden Coping-Strategien, Orientierungsmuster und Handlungsspielräume iranischer Frauen, welche sich zunehmend in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne wieder finden.
Über die Frauen in Iran ist wenig bekannt, Klischees und Vorurteile bestimmen die Vorstellungen im Westen wie auch in Iran. Gerade Frauen aus 'wertkonservativen' Familien wird oft eine gewisse Passivität unterstellt. Sie werden in eine Opferrolle gedrängt, die nicht in allen Bereichen mit der Realität übereinstimmt. Besonderes Augenmerk wurde deshalb auf Frauen aus unteren Schichten sowie aus 'wertkonservativen' Familien gelegt.
Fundierte Kenntnisse über die Rollen der Frauen, ihre Wirkungsfelder und Lebenssituation sind Voraussetzung für ein besseres Verständnis des Iran sowie für Empowerment- und Dialogprojekte aller Art.
Forschungsziele
- Schaffung einer anwendungsorientierten Datenbasis für Projekte im Bereich der Frauenförderung und des Interkulturellen Dialogs
- Leistung eines wissenschaftlichen Beitrags an die vergleichende Genderforschung
Forschungsablauf und Methodologie
Eine quantitative gesamtiranische Erhebung fand zwischen März und Mai 2006 statt. Untersucht wurden die Rollen und Wirkungsfelder iranischer Frauen im familiären und wirtschaftlichen Alltag. Über 3000 verheiratete Frauen aus allen Altersgruppen (ab 18 Jahren), sozialen Schichten und ethnischen Gruppen des Landes, aus urbanen wie ruralen Lebensräumen wurden befragt. Es handelt sich dabei um die umfassendste Frauenforschung, die je in Iran durchgeführt wurde. Aufbauend auf der Analyse der erhobenen quantitativen Daten und ersten Erkenntnissen wurden bestimmte Themenbereiche und Problemstellungen in einer ergänzenden qualitativen Erhebung erweiternd, vertiefend und klärend untersucht.
Resultate
Erste Ergebnisse zeigen, dass iranische Frauen, unabhängig ihres sozioökonomischen Status', indirekt oder direkt eine erhebliche und vom Ausmass her unerwartete Macht in Bezug auf familiäre und wirtschaftliche Entscheide haben. Die Erhebung hat ausserdem gezeigt, dass sich fast die Hälfte aller Frauen aus wertkonservativen Familien am Tag der Hochzeit im Rahmen von Heiratsverträgen gewisse Zusatzrechte sichern - und somit vorsorgen. Ebenso kann eine bisher unbekannte Vielfalt von informellen Supportsystemen, Solidaritätsfonds, Selbsthilfegruppen und Netzwerken beobachtet werden. Beinahe die Hälfte aller befragten Frauen nimmt an solchen Netzwerken teil, welche auf die materielle oder immaterielle Unterstützung ihrer ausschliesslich weiblichen Mitglieder ausgerichtet ist. All diese Faktoren weisen auf eine bedeutende soziokulturelle Transformation hin.
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Forschungspartner
Studentinnen verschiedener iranischer Universitäten
Kontakt
Dr. Niklaus Eggenberger-Argote
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