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Gesucht: Wirksame Unterstützung für „AIDS-Waisen“ in Afrika
29. 11. 2010

Kinder und Jugendliche im südlichen Afrika sind besonders von AIDS betroffen: Nach Schätzungen der UNO haben in den letzten Jahren 14 Millionen Kinder ihre Eltern durch AIDS verloren. Zahlreiche Programme zielen auf eine Verbesserung der Lebenssituation von „AIDS-Waisen“ ab; es gibt jedoch nur wenige Untersuchungen, welche die Wirksamkeit solcher Massnahmen wissenschaftlich überprüft haben. In einer dreijährigen Studie der Swiss Academy for Development SAD zeigte sich nun, dass die Unterstützungsprogramme auch Kinder mit chronisch kranken Bezugspersonen miteinbeziehen müssen. Diese haben mit ähnlichen sozialen Problemen zu kämpfen wie AIDS-Waisen. Weiterhin zeigte sich, dass trotz grossen Präventionsanstrengungen AIDS-Mythen nach wie vor weit verbreitet sind.

Nach Schätzungen von UNAIDS haben in den letzten Jahren im südlichen Afrika 14 Millionen Kinder und Jugendliche ihre Eltern durch AIDS verloren. In vielen weiteren Familien müssen die Kinder ihre kranken Eltern pflegen und für sie aufkommen. Die „AIDS-Waisen“-Problematik hat für die betroffenen Länder weit reichende soziale Folgen und kann sich nicht zuletzt auch auf deren politische Stabilität auswirken.

Vor diesem Hintergrund sind viele Hilfsprogramme gestartet worden, welche die Lage dieser Kinder und Jugendlichen verbessern wollen, deren Wirksamkeit jedoch nur selten mit wissenschaftlichen Methoden überprüft wird. Die Swiss Academy for Development SAD will mit einem Forschungsprojekt einerseits die besonderen Risiken identifizieren, welchen „AIDS-Waisen“ ausgesetzt sind, und andererseits die Wirksamkeit verschiedener Massnahmen überprüfen. Damit soll die Entwicklung eines nachhaltigen und erfolgreichen Unterstützungsprogramms auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt werden.

Dazu wurden in Sambia über drei Jahre hinweg in fünf ländlichen Gemeinden mit über hundert Dörfern verschiedene Massnahmen durchgeführt: Selbstbestimmte Kinder- und Jugendgruppen organisieren Freizeitaktivitäten, vermitteln Wissen über Kinderrechte und Gesundheitsprävention und vertreten die Interessen der Kinder gegenüber der Gemeinde. Mithilfe von gestalterischen Mitteln wie Erzählungen und Zeichnungen sollen die Kinder lernen sich auszudrücken und ihre Lebenssituation besser zu bewältigen. Und schliesslich soll mit einfachen Massnahmen zur Stärkung des Einkommens (Hühnerzucht und Sonnenblumenölproduktion) die materielle Lebensgrundlage verbessert werden. Über 900 Kinder wurden mehrmals zu ihrem Wohlbefinden und ihrer Lebenssituation befragt. Eine statistische Auswertung der Daten soll zeigen, welche Massnahmen die erwartete Wirkung zeigen.

Ergebnisse

Die Auswertung der Daten ist noch nicht abgeschlossen. Es lassen sich jedoch bereits erste allgemeine Empfehlungen abgeben:

  • Neben dem Verlust der Eltern und der Trauer haben „AIDS-Waisen“ mit einer Reihe von weiteren Schwierigkeiten zu kämpfen: Stigmatisierung, soziale Ausgrenzung und Mobbing durch Gleichaltrige, erhöhter Alltagsstress wie Kinderarbeit, fehlende Schulgelder und mangelnde Spielgelegenheiten, hohe Depressionsraten und verbreitete Selbstmordgedanken. Ein erfolgreiches Programm muss diesen Befunden Rechnung tragen.
  • Viele Organisationen fokussieren vorwiegend auf „AIDS-Waisen“. Andere von der HIV/AIDS Pandemie betroffene Kinder mit chronisch kranken Bezugspersonen leiden aber unter den gleichen Problemen. Diese Risikogruppe sollte deshalb unbedingt auch in Unterstützungsprogramme miteinbezogen werden.
  • Eine Verbesserung der materiellen Lebensgrundlage ist unerlässlich, um den Teufelskreis zwischen AIDS und Armut zu durchbrechen. Jedoch lassen sich die spezifischen sozialen Probleme der betroffenen Kinder, aber auch traumatische Erfahrungen wie häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch, nicht allein durch ökonomische Massnahmen bekämpfen. Effektive Ansätze müssen das soziale Umfeld berücksichtigen sowie das individuelle Bewältigungspotential der betroffenen Kinder fördern.
  • Es hat sich gezeigt, dass die wirtschaftliche Stärkung der Haushalte nicht immer den betroffenen Kindern zugute kommt. Waisenkinder, die in Gastfamilien oder bei Verwandten leben, fühlen sich eher gegenüber anderen Kindern im Haushalt benachteiligt. Die Familien und die Gemeinden müssen für die besonderen Schwierigkeiten der betroffenen Kinder sensibilisiert werden. Dabei kommt der Aufklärung über Erbrecht und Kinderrechte eine zentrale Bedeutung zu.
  • Trotz intensiven nationalen wie internationalen Anstrengungen bei der HIV/AIDS-Prävention ist das Wissen über die Übertragung und Vorbeugung dieser Krankheit bei allen untersuchten Gruppen ungenügend, und gefährliche AIDS-Mythen sind nach wie vor weit verbreitet sind. So glaubte ein Fünftel der befragten Kinder und Jugendlichen nicht oder war sich nicht sicher, dass Kondome HIV wirksam vorbeugen. Fast ein Viertel war der Meinung, dass AIDS geheilt werden kann. Und ein Drittel glaubte, dass eine gesunde Ernährung gegen HIV schützt. Gerade in ländlichen Gebieten des südlichen Afrikas muss der HIV/AIDS Aufklärung deshalb nach wie vor eine Priorität zukommen. Die Präventionskampagnen sollen sich insbesondere an Mädchen und an sexuell aktive jüngere Kinder richten, deren HIV/AIDS Wissen am geringsten ist.

Die SAD arbeitet in diesem Forschungsprojekt eng mit REPSSI zusammen, einer in Südafrika beheimateten Organisation, die sich im ganzen südlichen Afrika für das Wohlbefinden von Kindern einsetzt, die von Armut, Konflikten und AIDS betroffen sind. Die Erkenntnisse der Forschung können deshalb gleich umgesetzt werden. Die Forschung wird unterstützt von der Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA.

Weitere Informationen finden Sie hier .

Weitere Auskünfte erteilen gerne Adrian Gschwend (+41 (0)31 631 40 43 / +41 (0)32 344 30 51), Pia Ammann und Katharina Wespi (+41 (0)32 344 30 51 resp. +41 (0)32 344 30 57).

 

 

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